Kabarett-Tage begeistern mit Wortakrobatik und kurpfälzischem Blues

Bereits zum 17. Mal fanden am vergangenen Wochenende die Kabarett-Tage der Handballabteilung im TV Flein in Bubeck’s Festscheune statt und bewiesen einmal mehr ihren Kultstatus.
Am Freitag war es an Kai Magnus Sting, die Fleiner Freunde der lustigen Kleinkunst zu unterhalten.

Sichtlich begeistert ist der Ruhrpöttler, mal wieder in Flein sein zu dürfen. „Ich war heute im Café Roth. Ich liebe ja so Oma- und Tantencafés. Aber irgendwie bin ich ja in meinem Alter zu blöd um Kaffee zu bestellen“, beschwert sich der Duisburger über Hazelnut-flavouredFrappucchinos und ähnliche Kaffeespezialitäten der heutigen Zeit. Auch von Smartphones halte er nicht so viel: „Ich habe mein Leben noch nicht gewischt, das macht sie immer“. Der Meister der Wortakrobatik besticht mit seinen Anekdoten von den kleinen Dingen des Alltags, in denen sich jeder wieder findet und ertappt weiß, schon Ähnliches gedacht zu haben. So erzählt er von der Unsinnigkeit „Pissbons“ auf Autobahnraststätten zu sammeln, Gammelfleischdöner zu essen oder seinem Unverständnis, warum eigentlich alle mit einem Knopf im Ohr herumlaufen und mit sich selber reden. „Immer is was, wär doch auch mal schön, wenn mal nix wär, aber dann is ja auch was – nix!“. Auch outet er sich als ein Freund des schwäbischen Dialekts und meint „daran merkt man gleich das Temperament der Schwaben, das ist Samba im Ohr!“ Er spricht von Männern, Frauen, Nachbarn und davon, wie einem als Erwachsener die Alltagsuntauglichkeit der Weisheiten von Oma bewusst werden: „Wenn die Füße erst einmal kalt sind… Was hatte ich als kleiner Junge Angst vor kalten Füßen! Alles war egal, Hauptsache die Füße waren warm. Wer weiß, was sonst passiert wäre!“ Kai Magnus Sting’s Kombination aus Witz und Sarkasmus, seine aberwitzigen Geschichten über die kleinen und großen Katastrophen des Alltags ließen dem Fleiner Publikum keine Verschnaufpause für die Lachmuskeln. So hat er einmal mehr bewiesen, weshalb er zu den renommiertesten Kabarettisten des Landes zählt.
Am Samstag folgte Arnim Töpel mit seiner einzigartigen Kombination aus Sprachkunst, Blues und Bass. „Ahoi, Gott zum Gruß, in Flein lebt heute der Blues“, begrüßt der Kurpfälzer mit einem Sommerblues die Gäste in Bubeck’s Festscheune. Pfiffig verpackt er seine Gesellschaftskritik in Gesang und Witz. „Wir werden regiert, gelenkt, geleitet von denen, die sich brüsten, den Schlaf überwunden zu haben. Und LKW-Fahrer? Die werden entlassen, wenn sie nicht genügend Pausen einlegen“. Patchworkfamilien, Stammbäume, die zu Heckenform neigen, Einschulungen, die wie Bundespressekonferenzen verlaufen, und auch Singles sind vor seinem Humor nicht sicher: „Männerwelt? Frauenwelt? Singlewelt! Jeder macht, was ihm gefällt“. Doch vor allem Dialekt spielt auch im Leben von Arnim Töpel eine tragende und tragische Rolle. Seine Eltern sind Berliner und so hatte er es in der tiefsten Pfalz schwer, sich als Kind zu behaupten. „Wem ghörschändua“? Auch wenn Arnim dem Hochdeutschen stets treu blieb, erwachte irgendwann „der Gündaah“ in ihm und lebt sein kurpfälzisches Ich aus. Er singt, er liest, er ist der „Master of Färz“ und zieht die Zuschauer mit seiner erfrischenden Art in seinen Bann. Ein äußerst amüsanter und scharfsinniger Blick auf das Leben und Aufwachsen in der kurpfälzischen Einöde machte diesen Abend zu etwas ganz Besonderem und lässt Arnim Töpels musikalisches wie auch sprachliches Talent glänzen.
Uschi Jonas

Kai Magnus Sting

Arnim Töpel

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